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Theatergruppe Seitzenhahn

seit 1995, alle 2 bis 4 Jahre ein Theaterstück

 

 

 

Wiesbadener Tagblatt  09.11.2010  Seitzenhahn

Diese „Frauenpower“ begeistert

Von Christine Dressler

LAIENSPIEL Dorfschwank im ausverkauften Saal des Dorfgemeinschaftshauses von Seitzenhahn / Großer Erfolg

Drei Stunden lang erfüllen Lachsalven und Beifallsstürme abwechselnd das Bürgerhaus. Bis zum tosenden Schlussapplaus powert der neue Coup der 15 Jahre alten Laienspiel-Gruppe „Frauenpower“ die 180 Zuschauer im ausverkauften Saal genauso aus wie die acht Hobbyschauspielerinnen auf der Bühne. Die strahlen schon in den beiden kurzen Pausen mit Regisseurin und Souffleuse Heidi Singer, Ansagerin Janina Müller und Wolfram Theis, der für Ton und Technik sorgt, um die Wette: Mit Erich Kochs Dorfschwank „Alles nur Theater“ knüpft die Truppe an ihre bislang fünf Erfolgstücke an - nach vier Jahren Pause.

Denn durchweg berufstätig und Mütter haben die 43 bis 65 Jahre alten Frauen bei aller Liebe zum Theater nicht jedes Jahr Zeit, ein Stück einzustudieren. Dass sie in unveränderter Besetzung spielen, habe die Realisierung in wöchentlichen Proben seit Jahresbeginn erleichtert, erklärte Singer und verriet: „Am schwierigsten waren die Herrenrollen umzusetzen.“

In ihnen begeisterten Neda Müller als derber „Bauer Alfons“, Jutta Ziske als sein gewitzter Freund „Heinz“, Renate Alward als zwielichtiger „Altwarenhändler Franz“ und Conny Reuter als tapsiger verklemmter „Student Hans“.

Ein ebenso breites Spektrum an Charakteren lieferten Birgit Meyer als „Bäuerin Agnes“ und Susanne Schulte als ihre „Schwester Hilde“, Petra Held, die in der Rolle der „Eva“ die ausgeflippte Tochter des Paares gab, und Anja Freundschuh als bigotte „Pfarrköchin“. Donnernden Applaus löst schon das Bühnenbild aus, als der Vorhang aufgeht und die bis ins Detail liebevoll gestaltete Bauernstube zeigt.

In die wankt „Alfons“, gegen Morgen von der Gemeinderatssitzung heimgekehrt, nachdem er sich bis mittags ausgeschlafen hat. „Das letzte Glas Bier gestern war schlecht“, stöhnt er und schleudert „Hilde“ ihre „Männerabschreckungsvisage“ entgegen, als sie ihn als „Bierfass auf zwei Beinen“ betitelt.

Von der resoluten „Agnes“, die mit „Hilde“ die komplette Hofarbeit alleine absolviert, zur Rede gestellt, entschuldigt sich „Alfons“ mit „zukunftsweisenden Beschlüssen“ bei der Sitzung. „Zur Hebung der Kultur“ sei ein Theaterspiel beim Dorffest geplant und der Bürgermeister habe ihn für die Regie und die Hauptrolle in „Der Schöne und das Biest“ bestimmt. Dass „Alfons“ auch mit dem zu jeder Gelegenheit reimenden „Heinz“ den „Kulturausschuss“ bildet, die Rollen besetzt und keiner von ihnen den weiblichen Hauptpart geben will, bringt das Frauenquartett vollends auf die Barrikaden. Um den „arbeitsscheuen Kampftrinkern“ einen Strich durch die Rechnung zu machen und die „Sünder“ büßen zu lassen, stellt sogar die „Pfarrköchin“ ihren Sittlichkeitsverein in den Hintergrund. Für zusätzlichen Schlagabtausch sorgt, dass zum Beispiel „Hilde“ parallel auf Männerjagd ist, „Alfons“ sie mit Tricks bis zum Verkauf in Kombination mit einer Kuh über eine Annonce im „Aar-Bote“ los werden will und „Eva“ Probleme mit dem spießigen Vater hat und den „Studenten“ umgarnt. „Den Abend wird hier keiner so schnell vergessen“, spricht „Agnes“ den Zuschauern aus dem Herzen. Die jubeln, als „Franz“ seinen Besuch im Dorf verwünscht: „Mein Großvater hat mich schon gewarnt: Geh nie nach Seitenhahn!“

 

Foto: RMB/Wolfgang Kühner

 

 

    Aus der Vergangenheit:

Wiesbadener Kurier      14.11.2006

"Wunder gibt es immer wieder."

Theatergruppe Seitzenhahn  begeistert vor vollem Haus.

Mal kicherte das Publikum bei der Premiere im Bürgerhaus, mal brüllte es vor Lachen und oft klatschte es mitten in Szenen: Ihre bislang vier Erfolgsstücke setzte die Damen-Laienspiel-Gruppe mit dem Schwank "Wunder gibt es immer wieder" fort. Wie kann der marode Bauernhof gerettet werden? Zur Freude des Publikums dauert die Auflösung ein wenig länger.

Applaus brandete schon mehrfach zu Beginn auf, als der Vorhang im voll besetzten Saal den Blick auf den Bauernhof freigab, dem nicht mal die schwarze Streunerkatze fehlte, und nach und nach die Akteure am Frühstückstisch Platz nahmen. Da humpelte Jutta Ziske als alter, bärtiger, tief über den Krückstock gebeugter Opa heran, präsentierte sich Petra Held als zupackende Bäuerin Wally, Renate Alward als lieb-derber Bauer Michel und gab Neda Müller in Latzhose ihren aufmüpfigen Sohn Alfred. "Wir rackern und rackern und kommen auf keinen grünen Zweig", schimpfte Michel, Fredy meldete, dass "jetzt auch noch der Traktor kaputt" ging und Opa störte das Gespräch, indem er Welt statt Geld oder weich statt reich verstand. Wie sich bald offenbarte nur scheinbar schwerhörig und gebrechlich, entwickelt gerade er eine unglaubliche Aktivität um den Hof zu retten. Parallel verfolgten alle anderen Pläne, um den Ruin abzuwenden. Dass die einander widersprachen, sorgte für zunehmende Verwicklungen und Verwirrungen. Dazu trieb Nachbarbauer Otto, den Susanne Schulte mit absurdem Englisch-Tick gab - "Do not good" bedeutete zum Beispiel Tunichtgut -, seine grässliche und hässliche Tochter Lady (Brigit Meyer) in die Ehe mit Fredy. Wally und Michel unterstützten die Idee zwar, da Ladys Mitgift den Hof sanieren würde, doch Fredy wollte lieber ein Playmate heiraten. So floh er ständig vor Lady, während Michel seine reiche, exzentrische Tante Eulalia (Anja Freudschuh) aus Australien heranholte. Dass sie ihr Geld nur an eine weibliche Verwandte vererben wollte, ließ den von Skrupel geplagten Michel zu Michaela mutieren, wogegen Opa die fesche Reporterin Wilma (Conny Reuter) auf den Plan rief, als er mit Hilfe eines Betrugs den Beweis dafür antrat, dass der vertrocknete Hofbrunnen ein Jung- und Schönheitsbrunnen sei.

"Ich break together" konnten die Zuschauer Otto nur bestätigen. Sie benötigten die Pause im Vierakter von Wilfried Reinehr, um die Lachmuskel zu erholen, bevor die unterschiedlichen Absichten der Akteure aufeinander prallten und das Geschehen auf dem Hof immer mehr eskalierte.

Seit Jahresanfang hatten die sieben berufstätigen Frauen zwischen Ende 40 und 61 Jahren neben ihrer Arbeit geprobt. "Weil es uns einfach Freude macht", verrieten sie, warum sie seit 1995 Theater spielen. Um diese auch anderen zu vermitteln, gaben sie mittlerweile zum dritten Mal eine Extravorstellung für Senioren. Nur alle zwei bis drei Jahre bringen sie deshalb ein Stück auf die Bühne, "damit es für uns nicht zu stressig wird" und damit das Publikum der Aufführungen nicht müde werden, erklärte die angehende Großmutter Alward, die wie die meisten Frauen von Anfang an zum Ensemble gehört.

Wie die Familie ihren Hof letztendlich rettet und aus all den Verwicklungen wieder herausfindet, kann sich jedermann in "Wunder gibt es immer wieder" selbst ansehen. Denn für die letzte Aufführung am Samstag, 18. November 2006, um 20 Uhr gibt es noch Restkarten an der Abendkasse.

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